Wissenswertes zur Bibel

Der Turmbau zu Babel: Geschichte, Bedeutung und historischer Hintergrund

Der Turmbau zu Babel wird in 1. Mose 11,1–9 erzählt. Nach der Sintflut beschließt die Menschheit, die eine einzige Sprache spricht, in der Ebene Sinear eine Stadt und einen Turm zu bauen, „dessen Spitze an den Himmel reiche“, um sich einen Namen zu machen und nicht zerstreut zu werden. Gott verwirrt ihre Sprache, der Bau bricht ab und die Völker zerstreuen sich. Der Text verbindet den Namen „Babel“ mit dem hebräischen Verb balal, „verwirren“.

Was geschah beim Turmbau zu Babel?

Die Erzählung umfasst nur neun Verse. Alle sprachen dieselbe Sprache und ließen sich in einer Ebene im Land Sinear nieder, in Mesopotamien. Dort lernten sie, Ziegel zu brennen und Erdharz als Mörtel zu verwenden, und hatten eine Idee:

Und sie sprachen: Wohlan, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze an den Himmel reiche, und machen wir uns einen Namen, daß wir nicht zerstreut werden über die ganze Erde!

Mit leiser Ironie heißt es, Gott sei „herabgefahren“, um den Turm zu sehen, der bis zum Himmel reichen sollte. Seine Antwort war, die Sprache aller zu verwirren:

Wohlan, laßt uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß sie einer des anderen Sprache nicht verstehen! Und Jehova zerstreute sie von dannen über die ganze Erde; und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Darum gab man ihr den Namen Babel; denn daselbst verwirrte Jehova die Sprache der ganzen Erde, und von dannen zerstreute sie Jehova über die ganze Erde.

Was bedeutet der Turmbau zu Babel?

Die verbreitetste Deutung sieht darin eine Kritik am menschlichen Hochmut: Das Problem ist nicht das Bauen, sondern sich „einen Namen machen“ zu wollen und an einem Ort zu bleiben, entgegen dem Auftrag, „die Erde zu füllen“ (1. Mose 9,1). Gleich danach beginnt in 1. Mose 12 die Geschichte Abrahams, dem Gott verspricht: „ich will deinen Namen groß machen“. Den Namen, den Babel sich selbst verschaffen wollte, bekommt Abraham geschenkt.

Was bedeutet das Wort Babel?

„Babel“ ist der hebräische Name für Babylon. Auf Akkadisch bedeutete Bab-ilim „Tor der Götter“. Der biblische Text spielt mit dem hebräischen Verb balal, „verwirren“: Die Stadt, die sich Himmelstor nannte, wird zum Ort der Verwirrung.

Gab es den Turm zu Babel wirklich?

Der Turm der Erzählung lässt sich archäologisch nicht nachweisen, erinnert aber an die Zikkurats, gestufte Tempeltürme Mesopotamiens. Der größte stand in Babylon selbst: der Etemenanki, „Haus des Fundaments von Himmel und Erde“, dem Gott Marduk geweiht und von Nebukadnezar II. im 6. Jahrhundert v. Chr. neu errichtet. Viele Forscher nehmen an, dass die Erinnerung an diese Bauten, die die Juden im Exil sahen, die Erzählung geprägt hat.

Was hat Babel mit Pfingsten zu tun?

Christliche Autoren lasen Pfingsten früh als Umkehrung von Babel. In Babel werden die Sprachen verwirrt und die Menschen getrennt; in Apostelgeschichte 2 hört jeder die Apostel in seiner eigenen Sprache, und verschiedene Völker kommen zusammen.

Wie die Traditionen die Erzählung lesen

  • Jüdische Tradition: Midrasch und der Geschichtsschreiber Flavius Josephus schreiben den Bau Nimrod zu, dem „gewaltigen Jäger“ aus 1. Mose 10, der einen Aufstand gegen Gott angeführt habe.
  • Christliche Tradition: Augustinus sieht in Vom Gottesstaat Babel als Sinnbild des auf Hochmut gegründeten irdischen Staates, im Gegensatz zum Gottesstaat.
  • Wissenschaftliche Lesart: Der Text gilt als Ursprungserzählung für die Vielfalt der Sprachen und zugleich als Satire auf den Anspruch der mesopotamischen Großreiche.

Wissenswertes

  • Die Erzählung folgt direkt auf die „Völkertafel“ in 1. Mose 10, die die Völker schon „nach ihren Sprachen“ verteilt beschreibt.
  • Das berühmteste Gemälde des Turms stammt von Pieter Bruegel dem Älteren (1563) und hängt im Kunsthistorischen Museum Wien.
  • „Babylonische Sprachverwirrung“ ist im Deutschen zur Redewendung für ein Durcheinander von Sprachen geworden.

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Häufige Fragen

Wo steht der Turmbau zu Babel in der Bibel?

In 1. Mose (Genesis) 11,1–9.

Warum verwirrte Gott in Babel die Sprachen?

Laut der Erzählung, weil die Menschen sich „einen Namen machen“ und an einem Ort bleiben wollten. Die Sprachverwirrung beendet das Vorhaben und zerstreut die Völker über die Erde.

Wo stand der Turm zu Babel?

Im „Land Sinear“, also Mesopotamien, im heutigen Irak. Der Name Babel entspricht Babylon.

Wer hat den Turm zu Babel gebaut?

Die Bibel nennt keine Namen. Die spätere jüdische Tradition schrieb den Bau Nimrod zu.