Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)
Psalm 27
Jehova ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Jehova ist meines Lebens Stärke, vor wem sollte ich erschrecken?
Psalm 27 beginnt mit „Jehova ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“ und geht vom Vertrauen zur Bitte über. Er endet mit einem Rat: Harre auf den Herrn.
Bibeltext
1 Von David. Jehova ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Jehova ist meines Lebens Stärke, vor wem sollte ich erschrecken?
2 Als Übeltäter mir nahten, um mein Fleisch zu fressen, meine Bedränger und meine Feinde, sie strauchelten und fielen.
3 Wenn ein Heer sich wider mich lagert, nicht fürchtet sich mein Herz; wenn Krieg sich wider mich erhebt, hierauf vertraue ich:
4 Eines habe ich von Jehova erbeten, nach diesem will ich trachten: zu wohnen im Hause Jehovas alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Lieblichkeit Jehovas und nach ihm zu forschen in seinem Tempel.
5 Denn er wird mich bergen in seiner Hütte am Tage des Übels, er wird mich verbergen in dem Verborgenen seines Zeltes; auf einen Felsen wird er mich erhöhen.
6 Und nun wird mein Haupt erhöht sein über meine Feinde rings um mich her; und Opfer des Jubelschalls will ich opfern in seinem Zelte, ich will singen und Psalmen singen Jehova.
7 Höre, Jehova, mit meiner Stimme rufe ich; und sei mir gnädig und erhöre mich!
8 Von dir hat mein Herz gesagt: Du sprichst: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, Jehova, suche ich.
9 Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, weise nicht ab im Zorne deinen Knecht! Du bist meine Hilfe gewesen; laß mich nicht und verlaß mich nicht, Gott meines Heils!
10 Denn hätten mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nähme doch Jehova mich auf.
11 Lehre mich, Jehova, deinen Weg, und leite mich auf ebenem Pfade um meiner Feinde willen!
12 Gib mich nicht preis der Gier meiner Bedränger! Denn falsche Zeugen sind wider mich aufgestanden und der da Gewalttat schnaubt.
13 Wenn ich nicht geglaubt hätte, das Gute Jehovas zu schauen im Lande der Lebendigen...!
14 Harre auf Jehova! Sei stark, und dein Herz fasse Mut, und harre auf Jehova!
Urtext
v. 1: LeDavid. Adonai ori veyish’i, mimi ira? Adonai ma’oz chayai, mimi efchad?
Einfache Fassung
V. 1–3 Gott ist mein Licht und rettet mich; darum habe ich keinen Grund zur Angst. Selbst wenn mich ein Heer umgibt, vertraue ich weiter.
V. 4–6 Das Einzige, worum ich bitte: nahe bei Gott zu leben und seine Güte zu sehen. Am bösen Tag verbirgt er mich und bringt mich in Sicherheit.
V. 7–12 Höre mein Gebet, verbirg dich nicht vor mir. Selbst wenn Vater und Mutter mich verließen, würde der Herr mich aufnehmen. Lehre mich deinen Weg und bewahre mich vor denen, die mich falsch beschuldigen.
V. 13–14 Ich glaube, dass ich Gottes Güte noch in diesem Leben sehen werde. Harre auf den Herrn, sei mutig und harre.
Historischer Kontext
Verfasser. Die hebräische Überschrift sagt nur leDavid, „von David“. Die Tradition verbindet den Psalm mit den Zeiten, in denen David verfolgt wurde, doch der Text nennt kein bestimmtes Ereignis.
Zwei Teile. Die Verse 1–6 sind ein Vertrauenslied, das über Gott spricht; die Verse 7–14 sind eine Bitte, die sich an Gott richtet. Der Wechsel im Ton ist so deutlich, dass manche Forscher an zwei verbundene Psalmen denken.
Das Haus des Herrn. „Zu wohnen im Hause Jehovas“ (V. 4) meint das Heiligtum, den Ort der Gegenwart Gottes und zugleich eine Zuflucht für Verfolgte.
Erklärung
Licht, Heil und Stärke
Der Psalm beginnt mit drei Bildern für Gott und zwei Fragen: „vor wem sollte ich mich fürchten? … vor wem sollte ich erschrecken?“ Die Antwort liegt darin: Wenn Gott Licht, Heil und Stärke des Lebens ist, verliert die Angst ihren Grund.
Eines nur
In Vers 4 fasst der Beter seine Sehnsucht in einem einzigen Wunsch zusammen: bei Gott zu sein und seine „Lieblichkeit“ zu schauen (hebräisch no’am, auch „Güte“, „Freundlichkeit“). Sicherheit kommt nicht vom Sieg über die Feinde, sondern aus dieser Nähe.
Vater und Mutter
Vers 10 sagt: „Denn hätten mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nähme doch Jehova mich auf.“ In jener Gesellschaft war die Familie der grundlegende Schutz eines Menschen; der Psalm sagt, dass Gottes Fürsorge sogar über dieses Band hinausgeht.
Mutig warten
Das Ende verspricht keine sofortige Lösung. „Harre auf Jehova!“ steht am Anfang und am Ende des letzten Verses, dazwischen der Ruf zum Mut: Warten ist hier eine aktive Form des Vertrauens.
Wie jede Tradition ihn liest
Katholisch
In der Zählung der Vulgata ist es Psalm 26, „Dominus illuminatio mea“. Er steht im Stundengebet und in der Begräbnisliturgie, wegen seiner Hoffnung, „das Gute Jehovas zu schauen im Lande der Lebendigen“.
Evangelisch
Für viele evangelische Christen ist er ein Psalm für Zeiten der Angst. Die Verse 1 und 14 gehören zu den meistgeteilten, und „Harre auf den Herrn“ wird als ausdauerndes Vertrauen gelesen.
Jüdisch
In der jüdischen Tradition wird LeDavid Adonai Ori täglich vom Monat Elul bis zum Ende der Herbstfeste gebetet, zur Vorbereitung auf Rosch ha-Schana und Jom Kippur. Der Midrasch bezieht „mein Licht“ auf Rosch ha-Schana und „mein Heil“ auf Jom Kippur (Wajikra Rabba 21,4).
Wissenschaftlich
Viele Forscher sehen hier zwei Gattungen verbunden: einen Vertrauenspsalm (V. 1–6) und ein Klagelied des Einzelnen (V. 7–14). Andere verteidigen die Einheit, weil Vertrauen und Bitte auch in anderen Psalmen nebeneinanderstehen. Im masoretischen Text trägt das erste Wort von Vers 13 (lule, „wenn nicht“) außergewöhnliche Punkte, ein Zeichen, dass die Schreiber Zweifel daran hatten.
Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.
Zum Nachdenken
Der Beter nennt seine Angst offen: Heere, falsche Anklagen, Verlassenheit. Und doch endet er mit „harre“. Worauf warten Sie heute, und was würde sich ändern, wenn Sie mit Mut statt mit Sorge warten?
Wissenswertes
- Die lateinische Fassung von Vers 1, Dominus illuminatio mea, ist das Motto der Universität Oxford.
- Im hebräischen Text trägt das Wort am Anfang von Vers 13 besondere Punkte der Schreiber, einer der wenigen solchen Fälle in der Bibel.
- Die Elberfelder Bibel lässt Vers 13 mit „…!“ offen, wie das Hebräische, das den Satz nicht beendet.
Häufige Fragen
Was bedeutet Psalm 27?
Er ist ein Gebet des Vertrauens mitten in der Angst: Gott ist Licht, Heil und Stärke, darum kann, wer ihm vertraut, mutig warten.
Wer hat Psalm 27 geschrieben?
Die Überschrift schreibt ihn David zu. Sie verweist auf kein bestimmtes Ereignis in seinem Leben.
Wann betet man Psalm 27?
In Zeiten der Angst, der Verfolgung oder des Wartens. In der jüdischen Tradition wird er im Monat Elul vor den hohen Feiertagen täglich gebetet.
Was heißt „Harre auf den Herrn“?
Es ist keine Passivität: Es heißt, mutig weiter zu vertrauen, solange die Antwort noch nicht da ist, wie Vers 14 sagt.