Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)
Psalm 70
Eile, Gott, mich zu erretten, Jehova, zu meiner Hilfe!
Psalm 70 ist ein dringender Hilferuf in nur fünf Versen: „Eile, Gott, mich zu erretten, Jehova, zu meiner Hilfe!“ Er endet mit derselben Bitte: „zögere nicht!“
Bibeltext
1 Dem Vorsänger. Von David, zum Gedächtnis. Eile, Gott, mich zu erretten, Jehova, zu meiner Hilfe!
2 Laß beschämt und mit Scham bedeckt werden, die nach meinem Leben trachten! Laß zurückweichen und zu Schanden werden, die Gefallen haben an meinem Unglück!
3 Laß umkehren ob ihrer Schande, die da sagen: Haha! Haha!
4 Laß fröhlich sein und in dir sich freuen alle, die dich suchen! Und die deine Rettung lieben, laß stets sagen: Erhoben sei Gott!
5 Ich aber bin elend und arm; o Gott, eile zu mir! Meine Hilfe und mein Erretter bist du; Jehova, zögere nicht!
Urtext
v. 2 (Hebräisch): Elohim lehatsileni, Adonai le’ezrati chushah.
Einfache Fassung
V. 1 Gott, komm schnell und rette mich. Herr, beeil dich, mir zu helfen.
V. 2–3 Lass die beschämt werden, die mich vernichten wollen und über mich spotten.
V. 4 Lass alle, die dich suchen, sich freuen und immer sagen: Gott ist groß!
V. 5 Ich bin arm und brauche dich. Du bist es, der mir hilft und mich befreit. Herr, zögere nicht.
Historischer Kontext
Überschrift. Im Hebräischen steht „Dem Vorsänger. Von David, zum Gedächtnis“ (lehazkir). Derselbe Begriff steht sonst nur in der Überschrift von Psalm 38. In der hebräischen Zählung ist die Überschrift Vers 1, und der Psalm hat sechs Verse; die Elberfelder zieht sie in Vers 1 hinein.
Ein wiederholter Psalm. Der Text ist fast gleich mit dem Schluss von Psalm 40 (40,13–17). Ein Unterschied: Wo Psalm 40 den Namen JHWH („Jehova“) gebraucht, steht in Psalm 70 manchmal Elohim („Gott“).
Elohistischer Psalter. Die Psalmen 42 bis 83 bevorzugen den Namen Elohim, und viele Forscher führen den Namenswechsel auf diese Sammlung zurück.
Erklärung
Die Eile
Der Psalm beginnt und endet mit Dringlichkeit: „Eile“ in Vers 1, „o Gott, eile zu mir!“ und „zögere nicht!“ in Vers 5. Keine Einleitung, keine Erklärung: Es ist das Gebet eines Menschen, der keine Zeit hat.
Zwei Gruppen
Die Verse 2 bis 4 stellen die, „die nach meinem Leben trachten“, denen gegenüber, „die dich suchen“. Der Beter bittet, dass die einen beschämt werden und die anderen sich freuen und sagen: „Erhoben sei Gott!“
Elend und arm
„Ich aber bin elend und arm“ (V. 5). Der Beter bringt keine Verdienste vor; der Grund seiner Bitte ist seine eigene Schwäche. Dann folgt das Bekenntnis: „Meine Hilfe und mein Erretter bist du“.
Wie jede Tradition ihn liest
Katholisch
In der Zählung der Vulgata ist es Psalm 69. Sein erster Vers auf Latein, Deus, in adiutorium meum intende; Domine, ad adiuvandum me festina, eröffnet jede Hore des Stundengebets. Im 5. Jahrhundert empfahl Johannes Cassian, diesen Vers als immerwährendes Gebet zu wiederholen (Collationes X, 10).
Evangelisch
Für viele evangelische Christen ist er ein Vorbild für ein kurzes Gebet in Notlagen: ehrlich, direkt und voller Vertrauen. Vers 5 wird als Eingeständnis gelesen, dass Hilfe von Gott kommt und nicht aus eigener Kraft.
Jüdisch
Raschi (Kommentar zu Psalm 38,1) versteht lehazkir, „zum Gedächtnis“, als Gebet, das die Not Israels vor Gott in Erinnerung bringt. Der Psalm gehört zum Block der Psalmen 42–83, in dem der Name Elohim vorherrscht.
Wissenschaftlich
Die Forschung diskutiert das Verhältnis zu Psalm 40: Psalm 70 kann ein für den eigenen Gebrauch abgelöster Abschnitt sein oder ein eigenständiges Gebet, das auch in Psalm 40 eingefügt wurde. Manche verbinden die Überschrift lehazkir mit der askara, dem „Gedächtnisteil“ der Opfer (3. Mose 2,2).
Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.
Zum Nachdenken
Nicht jedes Gebet muss lang sein. Manchmal passt das ehrlichste in einen Satz: „Eile, mir zu helfen“. Wie würde Ihr Ein-Satz-Gebet heute lauten?
Wissenswertes
- Er ist einer der kürzesten Psalmen: fünf Verse in den Übersetzungen, sechs im Hebräischen.
- Er ist praktisch eine Kopie von Psalm 40,13–17, einer der „Doppelpsalmen“ der Bibel wie die Psalmen 14 und 53.
- Sein erster Vers auf Latein wird in jeder Hore des Stundengebets gebetet.
Häufige Fragen
Was bedeutet Psalm 70?
Er ist ein dringender Hilferuf eines Menschen, der sich schwach weiß und darauf vertraut, dass nur Gott ihn retten kann, ohne Verzögerung.
Wer hat Psalm 70 geschrieben?
Die Überschrift schreibt ihn David zu. Derselbe Text steht am Ende von Psalm 40, der ebenfalls David zugeschrieben wird.
Wann betet man Psalm 70?
In Momenten der Not und Eile, wenn die Worte für ein langes Gebet fehlen. In der katholischen Tradition eröffnet sein erster Vers das Stundengebet.
Was ist der Unterschied zwischen Psalm 70 und Psalm 40?
Psalm 70 wiederholt fast wörtlich Psalm 40,13–17, mit kleinen Änderungen, etwa „Gott“, wo Psalm 40 „Jehova“ sagt.