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Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)

Psalm 23

Jehova ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Psalm 23 ist der Psalm vom guten Hirten: In sechs Versen beschreibt David Gott als Hirten, der führt und beschützt, und als Gastgeber, der ihn auch angesichts von Gefahr an seinen Tisch lädt.

Bibeltext

1 Ein Psalm von David. Jehova ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern.

3 Er erquickt meine Seele, er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.

4 Auch wenn ich wanderte im Tale des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über.

6 Fürwahr, Güte und Huld werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich werde wohnen im Hause Jehovas auf immerdar.

Urtext

1 מִזְמוֹר לְדָוִד יְהֹוָה רֹעִי לֹא אֶחְסָר׃ 2 בִּנְאוֹת דֶּשֶׁא יַרְבִּיצֵנִי עַל־מֵי מְנֻחוֹת יְנַהֲלֵנִי׃ 3 נַפְשִׁי יְשׁוֹבֵב יַנְחֵנִי בְמַעְגְּלֵי־צֶדֶק לְמַעַן שְׁמוֹ׃ 4 גַּם כִּי־אֵלֵךְ בְּגֵיא צַלְמָוֶת לֹא־אִירָא רָע כִּי־אַתָּה עִמָּדִי שִׁבְטְךָ וּמִשְׁעַנְתֶּךָ הֵמָּה יְנַחֲמֻנִי׃ 5 תַּעֲרֹךְ לְפָנַי שֻׁלְחָן נֶגֶד צֹרְרָי דִּשַּׁנְתָּ בַשֶּׁמֶן רֹאשִׁי כּוֹסִי רְוָיָה׃ 6 אַךְ טוֹב וָחֶסֶד יִרְדְּפוּנִי כׇּל־יְמֵי חַיָּי וְשַׁבְתִּי בְּבֵית־יְהֹוָה לְאֹרֶךְ יָמִים׃

v. 1: Mizmor leDavid. Adonai ro’i, lo echsar.

Einfache Fassung

V. 1 Der Herr sorgt für mich wie ein Hirte für seine Schafe. Darum fehlt mir nichts, was ich wirklich brauche.

V. 2–3 Er führt mich an Orte der Ruhe und zu stillem Wasser. Er gibt mir neue Kraft und leitet mich auf dem richtigen Weg, weil er zu seinem Wort steht.

V. 4 Auch wenn ich durch das dunkelste Tal gehe, habe ich keine Angst, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab geben mir Sicherheit.

V. 5 Du empfängst mich wie ein Gastgeber: Du deckst den Tisch, ehrst mich mit Öl, und mein Becher fließt über, auch wenn Feinde in der Nähe sind.

V. 6 Gottes Güte und treue Liebe begleiten mich mein ganzes Leben, und ich werde lange im Haus des Herrn wohnen.

Historischer Kontext

Verfasser. Die hebräische Überschrift lautet mizmor leDavid, „ein Psalm Davids“. Bevor er König wurde, hütete David Schafe in Bethlehem (1. Samuel 16,11; 17,34–35), was dem Bild Gewicht gibt.

Das Hirtenbild. Im Alten Orient wurden Könige „Hirten“ ihres Volkes genannt. „Der Herr ist mein Hirte“ heißt also: Gott ist es, der mein Leben lenkt und für mich sorgt.

Gattung. Es ist ein Vertrauenspsalm: Er bittet um nichts, sondern bekennt die Geborgenheit in Gott. Er steht zwischen Psalm 22 (dem Schrei der Verlassenheit) und Psalm 24 (dem König, der in den Tempel einzieht).

Erklärung

Der Hirte (V. 1–4)

Die Verben sind die eines Hirten: auf grünen Auen lagern lassen, zu stillen Wassern führen, auf rechten Pfaden leiten. Der Stecken diente zur Verteidigung der Herde, der Stab zum Führen und Retten.

Die Wende in Vers 4

Bis hierher spricht der Beter über Gott („er“). Im finsteren Tal beginnt er, mit Gott zu sprechen: „denn du bist bei mir“. Gerade im schwersten Moment wird die Gegenwart Gottes zum Gespräch.

Der Gastgeber (V. 5–6)

Die Szene wechselt zu einem Festmahl. Das Haupt mit Öl zu salben war eine Ehrung für den Gast, und der überfließende Becher steht für Fülle. Nach den Regeln der Gastfreundschaft war geschützt, wer am Tisch saß, selbst vor den Augen der Feinde.

„Werden mir folgen“

Das hebräische Verb radaf bedeutet verfolgen. Der Beter kehrt das Bild um: Nicht Feinde jagen ihm nach, sondern Gottes Güte und Huld.

Weiterlesen

Wie jede Tradition ihn liest

Katholisch

In Bibeln mit der Zählung der Vulgata und Septuaginta ist dies Psalm 22 („Dominus regit me“). Kirchenväter wie Kyrill von Jerusalem deuteten Wasser, Öl und Tisch als Bilder für Taufe, Firmung und Eucharistie; die Neugetauften sangen diesen Psalm. Heute wird er oft bei Begräbnissen und als Antwortpsalm verwendet.

Evangelisch

Evangelische Leser lesen den Psalm häufig im Licht von Johannes 10,11, wo Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte.“ Er gehört zu den meistgelesenen Texten bei Beerdigungen und Krankenbesuchen. Charles Spurgeon nannte ihn „die Perle der Psalmen“.

Orthodox

In der orthodoxen Tradition (griechische Zählung: Psalm 22) gehört der Psalm zu den Gebeten zur Vorbereitung auf die heilige Kommunion, zusammen mit den Psalmen 23 und 115 der Septuaginta. Der „bereitete Tisch“ wird als eucharistischer Tisch gelesen.

Jüdisch

In vielen jüdischen Gemeinden wird Mizmor leDavid bei der dritten Schabbatmahlzeit (Se’uda schlischit) gesungen und bei Beerdigungen und Friedhofsbesuchen gebetet. Die jüdische Lektüre betont Gott als Hirten Israels, ein Bild, das auch in Ezechiel 34 erscheint.

Wissenschaftlich

In der Forschung wird diskutiert, ob der Psalm ein Bild (den Hirten) oder zwei (Hirte und Gastgeber) enthält. Das Wort tsalmavet, traditionell „Todesschatten“, kann auch „tiefe Finsternis“ bedeuten; Luther übersetzte „im finstern Tal“. Die Entstehungszeit ist ungewiss.

Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.

Zum Nachdenken

Achte auf die Wende in Vers 4: Am dunkelsten Ort hört der Beter auf, über Gott zu reden, und beginnt, mit ihm zu reden. Durch welches „Tal“ gehst du gerade, und was würde sich ändern, wenn du einfach sagst: „Du bist bei mir“?

Wissenswertes

  • Auf Hebräisch ist der erste Vers sehr kurz: Adonai ro’i, lo echsar.
  • In älteren katholischen Bibeln und in der orthodoxen Tradition trägt der Psalm die Nummer 22.
  • Luthers „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal“ ist im Deutschen bekannter als der wörtliche „Todesschatten“ der Elberfelder.
  • Die Elberfelder 1905 rechnet die Überschrift „Ein Psalm von David“ zu Vers 1, wie der hebräische Text.

Häufige Fragen

Wer hat Psalm 23 geschrieben?

Die Überschrift schreibt ihn David zu, der vor seiner Königszeit Hirte war. Jüdische und christliche Tradition halten an dieser Zuschreibung fest.

Was bedeutet „Der Herr ist mein Hirte“?

Dass Gott einen Menschen führt, versorgt und beschützt wie ein Hirte seine Schafe, sodass ihm nichts Wesentliches fehlt.

Was ist das „Tal des Todesschattens“?

Ein Bild für einen sehr dunklen und gefährlichen Ort. Gemeint sein kann der Tod, aber auch jede Zeit schweren Leidens.

Warum wird Psalm 23 bei Beerdigungen gelesen?

Weil er von Vertrauen angesichts des Todes spricht („furchte ich nichts Übles“) und mit der Hoffnung endet, im Haus des Herrn zu wohnen.

Warum ist er in manchen Bibeln Psalm 22?

Weil Septuaginta und Vulgata die Psalmen anders zählen. Katholische Bibeln geben heute oft „Psalm 23 (22)“ an.