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Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)

Jesaja 41,10

Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; schaue nicht ängstlich umher, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ja, ich helfe dir, ja, ich stütze dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit.

Jesaja 41,10 ist eine der bekanntesten Zusagen der Bibel: Gott bittet sein Volk, keine Angst zu haben, denn er ist da und verspricht zu stärken, zu helfen und zu halten.

Bibeltext

8 Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, Same Abrahams, meines Freundes;

9 du, den ich ergriffen von den Enden der Erde und von ihren fernsten Gegenden her gerufen habe, und zu welchem ich sprach: Du bist mein Knecht, ich habe dich erwählt und nicht verschmäht-

10 fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; schaue nicht ängstlich umher, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ja, ich helfe dir, ja, ich stütze dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit.

11 Siehe, es sollen beschämt und zu Schanden werden alle, die wider dich entbrannt sind; es sollen wie nichts werden und umkommen deine Widersacher.

12 Du wirst sie suchen und nicht finden, die Männer, die mit dir hadern; wie nichts und wie Nichtigkeit sollen die Männer werden, die dich bekriegen.

13 Denn ich, Jehova, dein Gott, ergreife deine Rechte, der ich zu dir spreche: Fürchte dich nicht, ich helfe dir! -

Urtext

אַל־תִּירָא כִּי עִמְּךָ־אָנִי אַל־תִּשְׁתָּע כִּי־אֲנִי אֱלֹהֶיךָ אִמַּצְתִּיךָ אַף־עֲזַרְתִּיךָ אַף־תְּמַכְתִּיךָ בִּימִין צִדְקִי׃

Al tira ki imkha ani; al tishta ki ani Elohekha; imatstikha af azartikha, af temakhtikha bimin tsidki.

Historischer Kontext

Wer spricht zu wem. Die Kapitel 40 bis 55 des Jesajabuches richten sich an das jüdische Volk im babylonischen Exil, im 6. Jahrhundert v. Chr. Viele Fachleute nennen diesen Teil „Deuterojesaja“, geschrieben von Schülern des Propheten.

Die Lage. Am Anfang des Kapitels erweckt Gott einen Eroberer aus dem Osten (meist mit Kyros, dem König von Persien, gleichgesetzt), und die Völker zittern und fertigen Götzen an, um sich zu schützen. Im Gegensatz dazu hört Israel, dass es Gottes Knecht ist (V. 8), und empfängt die Zusage von Vers 10.

Erklärung

„Fürchte dich nicht“

Der Vers beginnt mit zwei Aufforderungen: keine Angst zu haben und nicht ängstlich umherzuschauen. Sie leugnen die reale Gefahr des Exils nicht; sie lenken den Blick auf den, der daneben steht.

Die zwei Gründe

„Ich bin mit dir“ (Gegenwart) und „ich bin dein Gott“ (Bund). Auf Angst antwortet eine Beziehung, keine Erklärung.

Gottes drei Taten

Stärken, helfen und stützen. Die „Rechte“ ist die rechte Hand, Sinnbild der Macht; „meiner Gerechtigkeit“ verweist auf Gottes Treue zu seinen Zusagen.

Weiterlesen

Wie jede Tradition ihn liest

Evangelisch

In evangelischen und freikirchlichen Gemeinden gehört Jesaja 41,10 zu den Versen, die am häufigsten als persönliche Zusage in Zeiten von Angst, Krankheit oder Krise gelesen werden. Prediger erinnern meist daran, dass die Zusage aus Gottes Bund mit seinem Volk erwächst und denen gilt, die ihm vertrauen.

Jüdisch

In der jüdischen Überlieferung wird die Zusage als an das ganze Volk Israel gerichtet gelesen. Der Abschnitt Jesaja 40,27–41,16 ist die Haftara (Prophetenlesung) zum Wochenabschnitt Lech Lecha, der von der Berufung Abrahams erzählt.

Wissenschaftlich

Fachleute erkennen hier die Gattung des „Heilsorakels“: Gottes Antwort an jemanden in Not, geprägt von der Formel „fürchte dich nicht“, gefolgt von Begründung und Hilfezusage. Das Muster kehrt in Jesaja 41,13–14 und 43,1–5 wieder.

Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.

Zum Nachdenken

Achte auf die Reihenfolge: zuerst „ich bin mit dir“, dann „ich helfe dir“. Die Hilfe kommt von jemandem, der schon an deiner Seite ist. Welcher Angst begegnest du, als wärst du allein?

Wissenswertes

  • Die Aufforderung, sich nicht zu fürchten, kommt zwischen Jesaja 41,10 und 41,14 dreimal vor.
  • Im Hebräischen beginnt der Vers mit al tira („fürchte dich nicht“), denselben Worten, die in 1. Mose 15,1 an Abram ergehen.
  • Die Elberfelder Übersetzung gibt den Gottesnamen mit „Jehova“ wieder; viele neuere Übersetzungen schreiben „HERR“.

Häufige Fragen

Was bedeutet Jesaja 41,10?

Es ist Gottes Zusage für Menschen in Angst: Er ist da, er ist ihr Gott, und er verspricht zu stärken, zu helfen und zu halten.

Zu wem sagt Gott in Jesaja 41 „fürchte dich nicht“?

Zum Volk Israel, das sein „Knecht“ genannt wird und im Exil in Babylon lebte. Jüdische und christliche Leser beziehen die Zusage auch auf ihr persönliches Leben.

Wer hat Jesaja 41 geschrieben?

Das Buch trägt den Namen des Propheten Jesaja (8. Jahrhundert v. Chr.). Viele Fachleute schreiben die Kapitel 40–55 Schülern zu, die während des Exils im 6. Jahrhundert v. Chr. schrieben.

Was ist „die Rechte meiner Gerechtigkeit“?

Es ist Gottes rechte Hand, ein Bild der Macht, die im Einklang mit seiner Treue zu seinen Zusagen handelt.