Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)
Jeremia 29,11
Denn ich weiß ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht Jehova, Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück, um euch Ausgang und Hoffnung zu gewähren.
Jeremia 29,11 ist Gottes Zusage von „Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück“, geschrieben in einem Brief an die nach Babel verbannten Juden: Nach siebzig Jahren sollten sie Zukunft und Hoffnung haben.
Bibeltext
10 Denn so spricht Jehova: Sobald siebzig Jahre für Babel voll sind, werde ich mich eurer annehmen und mein gutes Wort an euch erfüllen, euch an diesen Ort zurückzubringen.
11 Denn ich weiß ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht Jehova, Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück, um euch Ausgang und Hoffnung zu gewähren.
12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und zu mir beten, und ich werde auf euch hören.
13 Und ihr werdet mich suchen und finden, denn ihr werdet nach mir fragen mit eurem ganzen Herzen;
14 und ich werde mich von euch finden lassen, spricht Jehova. Und ich werde eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Nationen und aus allen Orten, wohin ich euch vertrieben habe, spricht Jehova; und ich werde euch an den Ort zurückbringen, von wo ich euch weggeführt habe.
Urtext
Ki anokhi yada’ti et-hamachashavot asher anokhi choshev aleikhem, ne’um Adonai: machshevot shalom velo lera’ah, latet lakhem acharit vetikvah.
Historischer Kontext
Ein Brief ins Exil. 597 v. Chr. wurden König Jojachin und ein Teil der Oberschicht Judas nach Babel verschleppt. Jeremia, der in Jerusalem geblieben war, schickte ihnen einen Brief (Jeremia 29,1–3).
Gegen falsche Hoffnung. Propheten wie Hananja kündigten die Rückkehr in zwei Jahren an (Jeremia 28). Jeremia sagt das Gegenteil: Baut Häuser, pflanzt Gärten, heiratet und „suchet den Frieden der Stadt“ (V. 7), denn das Exil wird siebzig Jahre dauern (V. 10).
Die Zusage kommt danach. Erst nach dieser harten Ankündigung folgt Vers 11: Gott hat „Gedanken des Friedens“ und eine Zukunft für sein Volk.
Erklärung
„Ich weiß die Gedanken“
Der Vers beginnt damit, dass Gott sagt, er kenne seine eigenen Pläne. In einer Zeit, in der das Volk nicht verstand, was geschah, kam Sicherheit nicht aus dem Verstehen, sondern von dem, der plant.
Frieden, nicht Unheil
Das hebräische Wort ist schalom: nicht nur Abwesenheit von Krieg, sondern umfassendes Wohlergehen. Es ist dasselbe Wort wie in Vers 7, „suchet den Frieden der Stadt“.
Zukunft und Hoffnung
Der Ausdruck acharit wetikwa bedeutet „Zukunft und Hoffnung“, wörtlich „Ende/Ausgang und Hoffnung“; die Elberfelder übersetzt „Ausgang und Hoffnung“. Die Zusage blickt auf das Ende des Exils, nicht auf eine schnelle Lösung.
„Euch“ – im Plural
Im Hebräischen steht der Plural. Die Zusage galt dem Volk als Ganzem. Viele beziehen sie auf ihr persönliches Leben, doch der Text spricht zu einer Gemeinschaft, die Jahrzehnte warten musste.
Weiterlesen
Wie jede Tradition ihn liest
Evangelisch
Er gehört zu den meistzitierten Versen in evangelischen und freikirchlichen Kreisen, oft als Konfirmations- oder Taufspruch. Viele Prediger erinnern daran, ihn mit den Versen 10 und 12–13 zu lesen: Die Zusage schließt Warten und ein Suchen „mit eurem ganzen Herzen“ ein.
Jüdisch
In der jüdischen Lektüre begründet das Kapitel eine Haltung zur Diaspora: dort gut leben, wo man ist, und für die Stadt beten (V. 7), ohne die Hoffnung auf Rückkehr aufzugeben. Im Buch Daniel (9,2) liest Daniel gerade die „siebzig Jahre“ Jeremias.
Wissenschaftlich
Die Forschung datiert den Brief kurz nach der ersten Deportation (597 v. Chr.). Die „siebzig Jahre“ gelten als runde Zahl für ein ganzes Menschenleben oder als ungefähre Dauer der babylonischen Herrschaft (ca. 609–539 v. Chr.). Der griechische Jeremia-Text (Septuaginta) ist kürzer als der hebräische und anders angeordnet.
Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.
Zum Nachdenken
Die Zusage aus Vers 11 kam zusammen mit einem Auftrag: Häuser bauen und den Frieden der Stadt suchen, in der man war. Was kannst du dort, wo du jetzt bist, „bauen“ und „pflanzen“, während du darauf wartest, dass sich etwas ändert?
Wissenswertes
- Der Brief Jeremias wurde von zwei Boten nach Babel gebracht, Elasa und Gemarja (Jeremia 29,3).
- Das „euch“ im Vers ist im Hebräischen Plural: Die Zusage galt dem ganzen Volk.
- Luther übersetzt Vers 7 mit dem bekannten Satz „Suchet der Stadt Bestes“.
- Die Elberfelder übersetzt acharit mit „Ausgang“, Luther mit „Zukunft“.
Häufige Fragen
Was bedeutet Jeremia 29,11?
Dass Gott für das verbannte Volk Gedanken des Friedens hatte und ihm eine Zukunft voller Hoffnung zusagte, auch nach langer Wartezeit.
An wen richtete sich Jeremia 29,11?
An die 597 v. Chr. nach Babel verschleppten Juden, in einem Brief des Propheten Jeremia.
Ist Jeremia 29,11 eine Zusage für mich?
Sie galt dem Volk Israel. Juden und Christen lesen sie auch als Ausdruck von Gottes Wesen, der Gutes für die plant, die ihn suchen (V. 12–13).
Was sind die siebzig Jahre in Jeremia 29,10?
Die Dauer des Exils bis zur Rückkehr. Vermutlich eine runde Zahl für eine ganze Generation oder die Zeit des babylonischen Reiches.