Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)
Psalm 41
Glückselig, wer achthat auf den Armen! Am Tage des Übels wird Jehova ihn erretten.
Psalm 41 beginnt mit „Glückselig, wer achthat auf den Armen!“ und ist das Gebet eines Kranken, umgeben von falschen Freunden. Jesus bezog Vers 9 auf den Verrat des Judas, und der Psalm schließt das erste Buch der Psalmen mit „Amen, ja, Amen“.
Bibeltext
1 Dem Vorsänger. Ein Psalm von David. Glückselig, wer achthat auf den Armen! Am Tage des Übels wird Jehova ihn erretten.
2 Jehova wird ihn bewahren und ihn am Leben erhalten; er wird glücklich sein auf Erden, und nicht wirst du ihn preisgeben der Gier seiner Feinde.
3 Jehova wird ihn stützen auf dem Siechbett, all sein Lager wandelst du um in seiner Krankheit.
4 Ich sprach: Jehova, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen dich gesündigt.
5 Meine Feinde wünschen mir Böses: Wann wird er sterben und sein Name vergehen?
6 Und wenn einer kommt, um mich zu sehen, so redet er Falschheit; sein Herz sammelt sich Unheil, er geht hinaus, redet davon.
7 Miteinander raunen wider mich alle meine Hasser; Böses ersinnen sie wider mich:
8 Ein Belialsstück klebt ihm an; und weil er nun daliegt, wird er nicht wieder aufstehen.
9 Selbst der Mann meines Friedens, auf den ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse wider mich erhoben.
10 Du aber, Jehova, sei mir gnädig und richte mich auf, daß ich es ihnen vergelte!
11 Daran erkenne ich, daß du Gefallen an mir hast, daß mein Feind nicht über mich jauchzt.
12 Ich aber, in meiner Lauterkeit hast du mich aufrecht gehalten und mich vor dich gestellt auf ewig.
13 Gepriesen sei Jehova, der Gott Israels, von Ewigkeit bis in Ewigkeit! Amen, ja, Amen.
Urtext
Ashrei maskil el-dal; beyom ra’ah yemalletehu Adonai.
Einfache Fassung
V. 1–3 Glücklich, wer sich um den Schwachen kümmert: Gott kümmert sich um ihn am schweren Tag und hält ihn, wenn er krank ist.
V. 4 Herr, sei mir gnädig und heile mich, denn ich habe gegen dich gesündigt.
V. 5–9 Meine Feinde warten auf meinen Tod; wer mich besucht, redet Lügen und verbreitet dann Gerüchte. Sogar der Freund, der mit mir aß, hat sich gegen mich gewandt.
V. 10–12 Du aber, Herr, richte mich auf. Ich weiß, dass du bei mir bist, denn der Feind hat nicht gesiegt.
V. 13 Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit. Amen.
Historischer Kontext
Ende des ersten Buches. Das Buch der Psalmen ist in fünf Bücher gegliedert, und Psalm 41 ist der letzte des ersten (Psalmen 1–41). Vers 13 ist die Doxologie, die diese Sammlung abschließt; ähnliche Formeln beschließen die Psalmen 72, 89 und 106.
Ein Kranker und seine Besucher. Der Beter liegt krank darnieder (V. 3 und 8) und deutet seine Krankheit im Licht der eigenen Sünde (V. 4). Die Besucher bringen keinen Trost: Sie beobachten, verbreiten Neuigkeiten und warten auf das Ende (V. 5–8).
Anfang und Ende. Das erste Buch beginnt in Psalm 1 mit dem hebräischen Wort aschrej, „glückselig“, und Psalm 41 beginnt mit demselben Wort. Viele Forscher sehen darin einen bewussten Rahmen um die Sammlung.
Erklärung
Glücklich, wer den Schwachen sieht
Der Psalm beginnt mit einer Seligpreisung: „Glückselig, wer achthat auf den Armen! Am Tage des Übels wird Jehova ihn erretten.“ Das hebräische Wort dal bezeichnet jemanden, der schwach, arm oder niedergeschlagen ist, und das Verb maskil deutet auf bedachte Aufmerksamkeit, nicht auf ein hastiges Almosen. Wer für den Schwachen sorgt, erfährt, dass Gott für ihn sorgt: „Jehova wird ihn stützen auf dem Siechbett“.
Heilung, die innen beginnt
In Vers 4 kommt die Bitte um Heilung zusammen mit einem Bekenntnis: „Heile meine Seele, denn ich habe gegen dich gesündigt.“ Der Beter streitet nicht darüber, ob die Krankheit Strafe ist; er bringt Gott Leib und Gewissen zugleich.
Der Verrat des Freundes
Der schmerzlichste Punkt ist Vers 9: „Selbst der Mann meines Friedens, auf den ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse wider mich erhoben.“ Jemandes Brot zu essen war ein Zeichen von Bund und Vertrauen. Beim letzten Abendmahl zitiert Jesus diesen Vers, als er den Verrat des Judas ankündigt (Johannes 13,18).
Vor Gott für immer
Das Ende beschreibt keine vollständige Heilung, sondern eine Gegenwart: „und mich vor dich gestellt auf ewig“. Die Doxologie in Vers 13 mit ihrem „Amen, ja, Amen“ schließt den Psalm und das erste Buch des Psalters.
Wie jede Tradition ihn liest
Katholisch
In der Zählung der Vulgata ist es Psalm 40, Beatus qui intellegit super egenum et pauperem. Die Kirche liest Vers 9 im Licht der Passion, im Anschluss an Jesus selbst in Johannes 13,18, und die Seligpreisung am Anfang ist ein Aufruf zur Sorge um Arme und Kranke.
Evangelisch
Für evangelische Leser verbindet der Psalm zwei Zusagen: den Segen für den, der sich um die Schwachen kümmert, und die Gewissheit, dass Gott den Kranken hält. Dass Jesus Vers 9 in Johannes 13,18 aufgreift, wird als Erfüllung der Schrift in der Geschichte des Verrats gelesen.
Jüdisch
Der Talmud verwendet den ersten Vers für den Krankenbesuch: Wer einen Kranken besucht, wird vor der Strafe des Gehinnom bewahrt, denn es heißt: „Glückselig, wer achthat auf den Armen! Am Tage des Übels wird Jehova ihn erretten.“ In dieser Lesart ist der dal der Kranke (Nedarim 40a).
Wissenschaftlich
Die Forschung diskutiert die Gattung: Danklied, in dem der Beter von seinem Gebet in der Krankheit erzählt („Ich sprach“, V. 4), oder individuelles Klagelied. Die Seligpreisung am Anfang hat weisheitlichen Ton. Die Doxologie in Vers 13 gilt meist als redaktioneller Zusatz, der das Ende des ersten Buches markiert, nicht als Teil des ursprünglichen Gedichts.
Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.
Zum Nachdenken
Der Psalm verlangt zwei Blicke: auf den Schwachen in Ihrer Nähe und in das eigene Innere. Wer braucht heute Ihre Aufmerksamkeit? Und was müssen Sie vor Gott bringen, über das hinaus, was im Körper schmerzt?
Wissenswertes
- Die Elberfelder bewahrt in Vers 9 den wörtlichen hebräischen Ausdruck: „der Mann meines Friedens“ (isch schelomi), jemand, mit dem ein Bund bestand.
- In Vers 8 übersetzt die Elberfelder ebenfalls wörtlich: „Ein Belialsstück klebt ihm an“ (hebräisch devar belijja’al).
- Die Psalmen 41, 72, 89 und 106 enden mit Doxologien, die den Psalter in fünf Bücher teilen, eine Zahl, die die jüdische Tradition mit den fünf Büchern Mose vergleicht.
Häufige Fragen
Was bedeutet Psalm 41?
Er ist das Gebet eines Kranken, der Gott vertraut angesichts von Krankheit, Feinden und dem Verrat eines Freundes. Er beginnt mit einem Segen für den, der sich um die Schwachen kümmert.
Spricht Psalm 41 von Judas?
Der Psalm ist viel älter, aber Jesus bezog Vers 9, über den Freund, der sein Brot aß, auf den Verrat des Judas (Johannes 13,18).
Warum endet Psalm 41 mit „Amen, ja, Amen“?
Weil Vers 13 die Doxologie ist, die das erste der fünf Bücher der Psalmen abschließt.
Wann betet man Psalm 41?
In Krankheit, beim Besuch eines Kranken oder in einer Erfahrung von Verrat, mit der Bitte um Heilung für Leib und Seele.