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Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)

Psalm 7

Jehova, mein Gott, auf dich traue ich; rette mich von allen meinen Verfolgern und befreie mich!

Psalm 7 ist das Gebet eines zu Unrecht Beschuldigten: „Jehova, mein Gott, auf dich traue ich; rette mich von allen meinen Verfolgern“. David bittet Gott, seine Sache zu richten, und endet mit dem Lob „den Namen Jehovas, des Höchsten“.

Bibeltext

1 Schiggajon, von David, das er Jehova sang wegen der Worte Kusch', des Benjaminiters. Jehova, mein Gott, auf dich traue ich; rette mich von allen meinen Verfolgern und befreie mich!

2 Daß er nicht meine Seele zerreiße wie ein Löwe, sie zermalmend, und kein Erretter ist da.

3 Jehova, mein Gott! Wenn ich solches getan habe, wenn Unrecht in meinen Händen ist,

4 wenn ich Böses vergolten dem, der mit mir im Frieden war, habe ich doch den befreit, der mich ohne Ursache bedrängte

5 so verfolge der Feind meine Seele und erreiche sie, und trete mein Leben zu Boden und strecke meine Ehre hin in den Staub. (Sela.)

6 Stehe auf, Jehova, in deinem Zorn! Erhebe dich wider das Wüten meiner Bedränger, und wache auf zu mir: Gericht hast du befohlen.

7 Und die Schar der Völkerschaften wird dich umringen; und ihretwegen kehre wieder zur Höhe!

8 Jehova wird die Völker richten. Richte mich, Jehova, nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Lauterkeit, die bei mir ist.

9 Laß doch ein Ende nehmen die Bosheit der Gesetzlosen, und befestige den Gerechten! Es prüft ja Herzen und Nieren der gerechte Gott.

10 Mein Schild ist bei Gott, der die von Herzen Aufrichtigen rettet.

11 Gott ist ein gerechter Richter, und ein Gott, der jeden Tag zürnt.

12 Wenn er nicht umkehrt, so wetzt er sein Schwert; seinen Bogen hat er gespannt und ihn gerichtet.

13 Und Werkzeuge des Todes hat er für ihn bereitet, seine Pfeile macht er brennend.

14 Siehe, er ist in Geburtswehen mit Unheil; und, schwanger mit Mühsal, gebiert er Falschheit.

15 Er hat eine Grube gegraben und hat sie ausgehöhlt, und er ist in die Grube gefallen, die er gemacht hat.

16 Seine Mühsal wird zurückkehren auf sein Haupt, und auf seinen Scheitel wird herabstürzen seine Gewalttat.

17 Ich will Jehova preisen nach seiner Gerechtigkeit, und besingen den Namen Jehovas, des Höchsten.

Urtext

1 שִׁגָּיוֹן לְדָוִד אֲשֶׁר־שָׁר לַיהֹוָה עַל־דִּבְרֵי־כוּשׁ בֶּן־יְמִינִי׃ 2 יְהֹוָה אֱלֹהַי בְּךָ חָסִיתִי הוֹשִׁיעֵנִי מִכׇּל־רֹדְפַי וְהַצִּילֵנִי׃ 3 פֶּן־יִטְרֹף כְּאַרְיֵה נַפְשִׁי פֹּרֵק וְאֵין מַצִּיל׃ 4 יְהֹוָה אֱלֹהַי אִם־עָשִׂיתִי זֹאת אִם־יֶשׁ־עָוֶל בְּכַפָּי׃ 5 אִם־גָּמַלְתִּי שׁוֹלְמִי רָע וָאֲחַלְּצָה צוֹרְרִי רֵיקָם׃ 6 יִרַדֹּף־אוֹיֵב נַפְשִׁי וְיַשֵּׂג וְיִרְמֹס לָאָרֶץ חַיָּי וּכְבוֹדִי לֶעָפָר יַשְׁכֵּן סֶלָה׃ 7 קוּמָה יְהֹוָה בְּאַפֶּךָ הִנָּשֵׂא בְּעַבְרוֹת צוֹרְרָי וְעוּרָה אֵלַי מִשְׁפָּט צִוִּיתָ׃ 8 וַעֲדַת לְאֻמִּים תְּסוֹבְבֶךָּ וְעָלֶיהָ לַמָּרוֹם שׁוּבָה׃ 9 יְהֹוָה יָדִין עַמִּים שׇׁפְטֵנִי יְהֹוָה כְּצִדְקִי וּכְתֻמִּי עָלָי׃ 10 יִגְמׇר־נָא רַע רְשָׁעִים וּתְכוֹנֵן צַדִּיק וּבֹחֵן לִבּוֹת וּכְלָיוֹת אֱלֹהִים צַדִּיק׃ 11 מָגִנִּי עַל־אֱלֹהִים מוֹשִׁיעַ יִשְׁרֵי־לֵב׃ 12 אֱלֹהִים שׁוֹפֵט צַדִּיק וְאֵל זֹעֵם בְּכׇל־יוֹם׃ 13 אִם־לֹא יָשׁוּב חַרְבּוֹ יִלְטוֹשׁ קַשְׁתּוֹ דָרַךְ וַיְכוֹנְנֶהָ׃ 14 וְלוֹ הֵכִין כְּלֵי־מָוֶת חִצָּיו לְדֹלְקִים יִפְעָל׃ 15 הִנֵּה יְחַבֶּל־אָוֶן וְהָרָה עָמָל וְיָלַד שָׁקֶר׃ 16 בּוֹר כָּרָה וַיַּחְפְּרֵהוּ וַיִּפֹּל בְּשַׁחַת יִפְעָל׃ 17 יָשׁוּב עֲמָלוֹ בְרֹאשׁוֹ וְעַל קׇדְקֳדוֹ חֲמָסוֹ יֵרֵד׃ 18 אוֹדֶה יְהֹוָה כְּצִדְקוֹ וַאֲזַמְּרָה שֵׁם־יְהֹוָה עֶלְיוֹן׃

Shiggayon leDavid… Adonai Elohai, becha chasiti; hoshi’eni mikol rodfai vehatsileni.

Einfache Fassung

V. 1–2 Herr, bei dir suche ich Zuflucht. Rette mich vor meinen Verfolgern, bevor sie mich wie ein Löwe zerreißen.

V. 3–5 Wenn ich das Unrecht getan habe, das man mir vorwirft, wenn ich Gutes mit Bösem vergolten habe, dann soll der Feind mich einholen.

V. 6–9 Steh auf, Herr, und richte. Du kennst die Herzen: Mach der Bosheit ein Ende und stütze den Gerechten.

V. 10–13 Gott ist mein Schild und ein gerechter Richter. Wer nicht umkehrt, bekommt seine Gerechtigkeit zu spüren.

V. 14–16 Das Böse fällt auf den zurück, der es plant: Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

V. 17 Ich will den Herrn loben, denn er ist gerecht.

Historischer Kontext

Die Überschrift. Der hebräische Titel nennt den Psalm Schiggajon, ein Wort mit unsicherer Bedeutung. Viele verbinden es mit dem Verb schagah, „umherirren“, und denken an ein erregtes Lied oder eines mit unregelmäßigem Rhythmus. In der Elberfelder steht die Überschrift in Vers 1; die französische Louis Segond zählt sie als eigenen Vers, so dass ihre Zählung um eins voraus ist.

Kusch, der Benjaminiter. Laut der Überschrift sang David den Psalm wegen der Worte eines gewissen Kusch aus dem Stamm Benjamin, der sonst in der Bibel nicht näher bekannt ist. Saul war Benjaminiter, ebenso Schimei, der David auf der Flucht vor Absalom verfluchte (2. Samuel 16). Deshalb lesen viele den Psalm vor dem Hintergrund von Anschuldigungen aus dem Umfeld Sauls.

Ein Unschuldseid. Die Verse 3–5 haben die Form eines Eides: Wenn ich das getan habe, soll der Feind mich einholen. Das war ein Rechtsverfahren im alten Israel: Wer keine Zeugen hatte, konnte vor Gott im Heiligtum schwören und ihm das Urteil überlassen (vgl. 1. Könige 8,31–32).

Erklärung

Zuflucht vor der Verteidigung

Der Psalm beginnt mit Vertrauen, nicht mit Argumenten: „auf dich traue ich“. Erst danach legt David seine Sache dar. Das Bild vom Löwen (V. 2) zeigt, wie groß die Bedrohung ist: Ohne Gott wäre er zerrissen, „und kein Erretter ist da“.

Wenn ich solches getan habe

In den Versen 3–5 behauptet der Beter nicht, vollkommen zu sein; er erklärt sich unschuldig an dieser Anklage. Er setzt sogar sein Leben ein: Wenn er schuldig ist, so „trete mein Leben zu Boden“. Es ist der Mut eines in diesem Punkt reinen Gewissens. Auch Psalm 27 spricht von falschen Zeugen, die gegen den Beter aufstehen (V. 12).

Der Gott, der die Herzen prüft

Vers 9 bittet um ein Ende der Bosheit und um Halt für den Gerechten, denn: „Es prüft ja Herzen und Nieren der gerechte Gott.“ Die Nieren (kelajot) galten als Sitz der innersten Gefühle. Der Beschuldigte wendet sich nicht an ein menschliches Gericht, sondern an den, der ins Innere sieht.

Die Grube und ihr Gräber

Die Verse 14–16 beschreiben das Böse als Schwangerschaft, die nur Falschheit gebiert, und dann als Falle: „Er hat eine Grube gegraben und hat sie ausgehöhlt, und er ist in die Grube gefallen, die er gemacht hat.“ Gottes Gerechtigkeit zeigt sich hier auch als Folge: Das Böse fällt auf den zurück, der es plant. Der Psalm endet im Lob des Höchsten.

Wie jede Tradition ihn liest

Katholisch

In der Zählung der Vulgata behält Psalm 7 dieselbe Nummer. Die christliche Überlieferung las ihn als Gebet des verfolgten Gerechten, und der heilige Augustinus kommentiert ihn in seinen Enarrationes in Psalmos. Für katholische Leser lehrt der Psalm, das Urteil Gott zu überlassen und das eigene Gewissen zu prüfen, bevor man Gerechtigkeit fordert.

Evangelisch

Viele evangelische Leser greifen in Zeiten von Verleumdung und Unrecht zu Psalm 7: Statt sich zu rächen, übergibt der Beter seine Sache Gott, wie Paulus es in Römer 12,19 rät. Vers 10 fasst dieses Vertrauen zusammen: „Mein Schild ist bei Gott, der die von Herzen Aufrichtigen rettet.“

Jüdisch

Der Talmud fragt, wer dieser Kusch, der Benjaminiter, war, und antwortet: Saul. So wie sich ein Kuschit durch seine Hautfarbe unterscheidet, unterschied sich Saul durch seine Taten (Moed Katan 16b). In dieser Lesart ist der Psalm Davids Antwort auf die Verfolgung durch den König.

Wissenschaftlich

Die meisten Ausleger ordnen Psalm 7 als individuelles Klagelied eines Angeklagten ein, mit einem Unschuldseid (V. 3–5) ähnlich dem in Hiob 31. Der hebräische Text hat schwierige Stellen: In den Versen 12–13 kann derjenige, der das Schwert wetzt und den Bogen spannt, Gott sein, wie die Elberfelder es versteht, oder der Frevler selbst, dessen Waffen sich dann gegen ihn wenden (V. 15–16), wie manche moderne Übersetzer vorschlagen.

Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.

Zum Nachdenken

Zu Unrecht beschuldigt zu werden, schmerzt auf besondere Weise. Der Beter verbirgt seine Not nicht und tut nicht so, als sei nichts geschehen, aber er nimmt das Recht auch nicht selbst in die Hand: Er übergibt Gott die Sache und endet mit einem Lied. Gibt es heute etwas, das Sie dem gerechten Richter überlassen müssen?

Wissenswertes

  • Das Wort Schiggajon aus der Überschrift erscheint im Plural (Schigjonot) am Anfang des Gebets Habakuks (Habakuk 3,1).
  • Der letzte Vers nennt Gott JHWH Eljon (in der Elberfelder: „den Namen Jehovas, des Höchsten“), ein Titel, der schon in 1. Mose 14 vorkommt, bei der Begegnung Abrahams mit Melchisedek.
  • Das Bild vom Fall in die eigene Grube (V. 15) kehrt in Sprüche 26,27 und Prediger 10,8 wieder und wurde in vielen Sprachen zum Sprichwort: Wer andern eine Grube gräbt ….

Häufige Fragen

Was bedeutet Psalm 7?

Er ist das Gebet eines zu Unrecht Beschuldigten, der seine Sache Gott, dem gerechten Richter, übergibt und darauf vertraut, dass das Böse auf die zurückfällt, die es geplant haben.

Wer schrieb Psalm 7 und in welchem Zusammenhang?

Die Überschrift schreibt ihn David zu und verbindet ihn mit den Worten des Kusch, eines unbekannten Benjaminiters. Die jüdische Tradition setzt diesen Kusch mit König Saul gleich.

Was ist ein Schiggajon?

So lautet das hebräische Wort in der Überschrift des Psalms. Die Bedeutung ist unsicher; wahrscheinlich bezeichnet es ein erregtes Lied oder eines mit unregelmäßigem Rhythmus.

Wann betet man Psalm 7?

In Zeiten von Verleumdung, falscher Anschuldigung oder Verfolgung, um die eigene Sache Gott zu übergeben, statt Rache zu suchen.