Startseite » Bibel » Johannes » Johannes 3 » Johannes 3,16

Übersetzung: Elberfelder 1905 (gemeinfrei)

Johannes 3,16

Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Johannes 3,16 fasst die christliche Botschaft zusammen: Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Bibeltext

14 Und gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muß der Sohn des Menschen erhöht werden,

15 auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf daß er die Welt richte, sondern auf daß die Welt durch ihn errettet werde.

18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

19 Dies aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

20 Denn jeder, der Arges tut, haßt das Licht und kommt nicht zu dem Lichte, auf daß seine Werke nicht bloßgestellt werden;

21 wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Lichte, auf daß seine Werke offenbar werden, daß sie in Gott gewirkt sind.

Urtext

οὕτως γὰρ ἠγάπησεν ὁ θεὸς τὸν κόσμον, ὥστε τὸν υἱὸν τὸν μονογενῆ ἔδωκεν, ἵνα πᾶς ὁ πιστεύων εἰς αὐτὸν μὴ ἀπόληται ἀλλ’ ἔχῃ ζωὴν αἰώνιον.

Houtōs gar ēgapēsen ho theos ton kosmon, hōste ton huion ton monogenē edōken, hina pas ho pisteuōn eis auton mē apolētai all’ echē zōēn aiōnion.

Historischer Kontext

Ein Gespräch in der Nacht. Der Vers steht mitten im Gespräch Jesu mit Nikodemus, einem Pharisäer und Mitglied des jüdischen Hohen Rates, der nachts zu ihm kam (Johannes 3,1–2). Jesus spricht davon, „von neuem geboren“ zu werden, und Nikodemus versteht es nicht.

Die Schlange in der Wüste. Kurz davor erinnert Jesus an 4. Mose 21,8–9: Mose richtete eine eherne Schlange auf, und wer sie ansah, blieb am Leben. Ebenso muss „der Sohn des Menschen erhöht werden“ (V. 14), ein Hinweis auf das Kreuz.

Wer spricht? Bibelausgaben mit rot gedruckten Jesusworten sind sich uneins: Manche lassen die Rede Jesu mit Vers 15 enden, andere mit Vers 21. Viele Exegeten lesen die Verse 16–21 als Kommentar des Evangelisten.

Erklärung

„Also geliebt“

Das griechische houtōs bedeutet „so“, „auf diese Weise“. Der Vers sagt nicht nur, wie sehr Gott liebte, sondern wie sich diese Liebe zeigte: indem er den Sohn gab.

„Die Welt“

Bei Johannes meint kosmos oft die Welt, die Gott ablehnt (Johannes 1,10). Die Liebe gilt gerade denen, die ihn noch nicht aufgenommen haben.

„Eingeborener Sohn“

Das Wort monogenēs bedeutet „einzig“, „einzigartig“. Die Elberfelder und Luther sagen „eingeboren“; moderne Übersetzungen oft „seinen einzigen Sohn“.

Glauben und leben

Der Vers stellt zwei Wege gegenüber: verloren gehen oder ewiges Leben haben. Bei Johannes beginnt das ewige Leben schon jetzt, in der Beziehung zu Gott (Johannes 17,3), und der folgende Vers stellt klar: Ziel ist Rettung, nicht Gericht.

Weiterlesen

Wie jede Tradition ihn liest

Katholisch

Der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert den Vers, um zu erklären, warum das Wort Fleisch geworden ist: damit wir Gottes Liebe erkennen (Nr. 458). In der Liturgie wird Johannes 3,14–21 am 4. Fastensonntag (Lesejahr B) gelesen, im Blick auf das Kreuz.

Evangelisch

Für viele Evangelische ist er die Zusammenfassung des Evangeliums: Rettung aus Gnade, empfangen durch den Glauben. Martin Luther wird die Bezeichnung „das Evangelium im Kleinen“ zugeschrieben. In den USA wurde „John 3:16“ durch Plakate von Sportfans und sogar die Gesichtsbemalung von Athleten berühmt.

Orthodox

In der orthodoxen Tradition ist Johannes 3,13–17 das Evangelium am Sonntag vor der Kreuzerhöhung im September. Die Lesung deutet die erhöhte Schlange als Bild des Kreuzes und zeigt Gottes Liebe im Opfer des Sohnes.

Wissenschaftlich

Das Verb „gab“ (edōken) steht im Aorist und kann sich auf die Menschwerdung, das Kreuz oder beides beziehen. Die Wendung „an ihn glauben“ (pisteuō eis, wörtlich „in ihn hinein glauben“) ist typisch johanneisch und meint persönliches Vertrauen, nicht bloße Zustimmung. Das Evangelium wird meist ans Ende des 1. Jahrhunderts datiert.

Jede Lesart wird der Tradition zugeordnet, die sie vertritt. VersePath ergreift keine Partei.

Zum Nachdenken

Vers 17 ergänzt Vers 16: Gott hat den Sohn nicht gesandt, um zu richten, sondern um zu retten. Wenn du Gott vor allem als Richter siehst – wie wäre es, Johannes 3,16 heute mit „also hat Gott die Welt geliebt“ zu beginnen?

Wissenswertes

  • In Tischendorfs griechischer Ausgabe hat der Vers 25 Wörter; der Textus Receptus fügt „seinen“ hinzu (26 Wörter).
  • Nikodemus, Jesu Gesprächspartner hier, taucht beim Begräbnis Jesu wieder auf, mit Myrrhe und Aloe (Johannes 19,39).
  • Bibelausgaben mit roten Jesusworten sind sich nicht einig, wo seine Rede in diesem Abschnitt endet.
  • Luther übersetzte „Also hat Gott die Welt geliebt“ – eine der bekanntesten Formulierungen der deutschen Bibel.

Häufige Fragen

Was bedeutet Johannes 3,16?

Dass Gottes Liebe zur Welt sich darin zeigte, dass er seinen Sohn sandte, und dass jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben empfängt, statt verloren zu gehen.

Wer hat Johannes 3,16 gesagt?

Der Vers gehört zum Gespräch Jesu mit Nikodemus. Manche schreiben die Worte Jesus zu; viele Exegeten lesen sie als Kommentar des Evangelisten.

Was bedeutet „eingeborener Sohn“?

Es übersetzt das griechische monogenēs, „einzig“, „einzigartig“, und drückt die einzigartige Beziehung Jesu zum Vater aus.

Warum ist Johannes 3,16 so bekannt?

Weil er den Kern des Christentums in einem Satz zusammenfasst: Gottes Liebe, die Sendung Jesu und ewiges Leben für alle, die glauben.